Der Anteil erneuerbarer Energien an der Nettostromerzeugung lag im vergangenen Jahr erstmals bei über 50 Prozent. Allein die Windenergie erreichte einen Anteil von 27 Prozent am deutschen Strommix und lieferte mit 132 TWh mehr Strom, als Braun- und Steinkohlekraftwerke zusammen (118 TWh).

Quelle: Fraunhofer ISE

Brutto oder netto?

Der Ökoanteil von 50,5% bezieht sich auf die Nettostromerzeugung zur öffentlichen Stromversorgung in Deutschland. Sie repräsentiert den Strommix, der tatsächlich zu Hause aus der Steckdose kommt. Sie beinhaltet – anders als Bruttoberechnungen – keine Kraftwerkseigenverbräuche. Wird z.B. eine Kohlemühle direkt aus dem eigenen Kraftwerk mit reinem Braunkohlestrom versorgt, bleiben diese Strommengen bei der Betrachtung der Nettostromerzeugung außen vor. Die komplette Stromwirtschaft (Stromhandel, Netzberechnung, Kraftwerkseinsatzplanung etc.) rechnet mit Nettogrößen.

Anders als das Fraunhofer-Institut berechnet z.B. die AG Energiebilanzen, auf welche sich u.a. das Bundeswirtschaftsministeriums bezieht, den Anteil der Erneuerbaren Energien auf Basis der Bruttostromerzeugung. Diese berücksichtigt auch den Eigenverbrauch der Kraftwerke, welcher nicht ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird. Nach dieser Konvention wird z.B. auch o.g. Kohlemühle mit einem Strommix aus konventionellen und erneuerbaren Energien betrieben. Bruttozahlen werden nur zu statistischen Zwecken erhoben, spielen in der täglichen Stromwirtschaft aber keine Rolle.

Die Daten zur Netto- und Bruttostromerzeugung unterscheiden sich deutlich. Entsprechend ergeben sich auch unterschiedliche Angaben über den Anteil Erneuerbarer Energien.

Erzeugung oder Verbrauch?

Der Paragraf 1 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2021) nennt als Ziel des Gesetzes, den Anteil von EE-Strom am Bruttostromverbrauch auf 65% im Jahr 2030 zu steigern. Der Bruttostromverbrauch errechnet sich aus Bruttostromerzeugung abzüglich etwaiger Stromexporte. Der Anteil Erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch betrug im vergangenen Jahr nach Berechnungen der AG Energiebilanzen 45,7% (Link).

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (bdew). Nach seinen Berechnungen liegt der EE-Anteil am Bruttostromverbrauch 2020 bei 46,3% (Link).

 

 

 

Der Anteil der Windenergie am Bruttostromverbrauch liegt 2020 bei 24,4%. Rechnerisch deckt die Windenergie damit in etwa den Bedarf aller privaten Haushalte in Deutschland.

 

 

 

 

 

Quelle: BDEW

Ein Teil des letztjährigen Anstiegs ist auf den durch die Corona-Pandemie temporär gesunkenen Stromverbrauch und gute Wetterverhältnisse zurückzuführen. Ein stark beschleunigter Ausbau der Erneuerbaren Energien ist weiterhin dringend notwendig, um die nationalen Energieziele im Auge zu behalten. Zum einen wird der Strombedarf durch die Elektrifizierung weiter Teile des Verkehrs- und Wärmesektors deutlich steigen, zum anderen steht 2021 eine Verschärfung der europäischen Klimaziele (EU Green Deal) bevor, die auch eine Verstärkung der nationalen Anstrengungen nach sich ziehen wird. Eine aktuelle Studie des Fraunhofer ISE benennt hier einen erforderlichen Zubau der Windenergie an Land von etwa 8 GW jährlich (Link)

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