In den vergangenen Wochen berichteten mehrere Medien über die gezielte Verfolgung von Großvögeln in Schleswig-Holstein. Den Berichten zufolge wurden im Umland von Neu­münster seit 2017 insgesamt 11 vergiftete Rotmilane aufgefunden. Bei einem am Windrad in Holtsee tödlich verunglückten Seeadler wurde zudem eine ältere Schussverletzung entdeckt. Für die Ergreifung der Täter wurden jeweils Belohnungen ausgelobt.

Auch wenn über die Täter und deren Motive bislang nichts bekannt ist, scheint für Berichterstatter und Kommentatoren ein Zusammenhang mit Windkraftplanungen in den betroffenen Regionen zumindest nicht ganz unwahrscheinlich. Die Denker & Wulf AG ist als erfahrener Windpark-Projektierer mit den artenschutzrechtlichen Aspekten des Windkraftausbaus bestens vertraut. Wir halten es für nahezu ausgeschlossen, dass professionell agierende Unternehmen in die illegale Verfolgung der seltenen Großvögel involviert sind.

Die Windbranche ist eingebettet in den Gedanken einer nachhaltigen Energieversorgung für ein stabiles Klima und eine intakte Umwelt zugunsten kommender Generationen. Vor diesem Hintergrund ist uns der Artenschutz ein wichtiges Anliegen. Überall dort, wo seltene Greif- und Großvogelvorkommen durch Windenergie bedroht sein könnten, werden umfangreiche und gutachterlich geeignete Vermeidungsmaßnahmen ergriffen, um Arten- und Klimaschutz miteinander in Einklang zu bringen. Artenschutzbelange stehen heute im Mittelpunkt jedes Genehmigungsverfahrens und erfordern auf Ebene der Planer und Behörden große fachliche Expertise und die Bereitstellung erheblicher Ressourcen.

Häufig lassen sich Konflikte über die Anlage von Ablenkflächen oder die Abschaltung der Windräder zum Zeitpunkt der Mahd lösen. Solange die Befriedung des Konfliktes nicht gelingt, wird die Betriebsgenehmigung jedoch verwehrt. Die illegale Eliminierung der Tiere führt aus Perspektive der Vorhabenträger allerdings nicht zur Eliminierung des Konflikts, sondern – ganz im Gegenteil – zu weiterem Aufwand und teils mehrjährigen Verzöge­rungen, die sich in steigenden Projektkosten (und höheren Strompreisen) niederschlagen. Das betroffene Areal verliert weder durch die Zerstörung eines Vogelhorstes, noch durch die Vergiftung oder den Abschuss eines Großvogels seine offenkundige Eignung und Bedeutung als Revier- oder Brutgebiet. Der Schutzstatus bleibt daher für weitere Jahre unverändert bestehen. Lediglich bereits erstellte oder in Erstellung befindliche Gutachten verlieren ihren Wert, da eine veränderte Situation auch einen veränderten Untersuchungs­umfang und neue Erhebungen notwendig macht.

Für den Windparkplaner stellt die Anwesenheit geschützter Vogelarten also einen beträchtlichen Mehraufwand dar, der sich durch die gesetzwidrige Tötung eines zuvor ansässigen Großvogels wirtschaftlich und zeitlich vergrößert statt verringert. Ein solcher Vorfall kann bei planerisch anspruchsvollen Projekten Zusatzkosten in sechsstelliger Höhe sowie mehrjährige Verzögerungen nach sich ziehen. Insofern entbehren Spekulationen, dass hinter getöteten Rotmilanen oder Seeadlern wirtschaftliche Interessen seitens der Windbranche bestehen könnten, jeglicher Logik.

Für die Berichterstattung ist womöglich eine aktuelle Pressemeldung (Link) des „Komitees gegen den Vogelmord e.V. (CABS)“ interessant: Bei den bundesweit 86 seit 2005 überführten Tätern handelte es sich in nahezu allen Fällen um Taubenzüchter, Geflügelhalter und Jäger, die Greifvögel als Gefahr für ihre Tiere bzw. als Konkurrenz betrachten. Die Denker & Wulf AG beteiligt sich nicht an Spekulationen über mögliche Täter, hält eine vorschnelle Verdächtigung von Beschäftigten der Windbranche jedoch für gänzlich verfehlt. Die bloße räumliche Nähe einer Windenergie-Vorrangfläche zum Totfund eines Großvogels ist in Zeiten der Dezentralisierung unserer Energieproduktion gewiss kein hinreichendes Indiz für eine Tatbeteiligung dort tätiger Planungsbüros. Dass deren Bestreben nach redlichen und genehmigungskonformen Konfliktlösungen hingegen seit vielen Jahren trägt, lässt sich u.a. an der guten Bestandsentwicklung von Seeadler und Rotmilan ablesen.

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